Seit nun 2 Wochen bin ich in Marokko und es fühlt sich an, als wäre ich gestern erst angekommen. Zwar weiß ich mittlerweile, wo ich Messer, Tasse und Butter im Haus finde - bin aber noch nicht ganz dahinter gekommen, wieso fast ausschließlich Männer in den Cafés sitzen, rote Ampeln selbst von Autofahrern nicht beachtet werden oder Frauen ständig vor Männern gewarnt werden, um sich dann mit ihnen zu sechst 4 Sitze im Grand Taxi zu teilen.
Dar (Haus)
Das Dar in dem ich mittlerweile wohne, befindet sich in El Youssoufia, eine 15-Minuten-Grand-Taxi-Fahrt vom Zentrum und der Mdina (Altstadt) entfernt. In einer winzigen Gasse mit blauen Wänden findet man die Tür ohne Hausnummer, hinter der sich mein neues Zuhause befindet. Im ersten Stockwerk wohnen mein Gastonkel Ahmed und mein Gastgroßvater. Ein Stockwerk darüber wohnen meine Gastmutter Sadiya, mein 7-jähriger Gastbruder Yahya und ich. Darüber findet man die obligatorische Dachterrasse, auf der viel gegessen und Tee getrunken wird.
Nana (Minze)
Meine Gastmutter und ihr Bruder haben mir bereits gezeigt, wie der weltbekannte marokkanische Tee zubereitet wird. Das Geheimnis lautet Zucker… Nur manchmal wird Nana zu dem Schwarztee hinzugefügt. Um den Tee richtig genießen zu können, muss er aus einem Meter Höhe in das Glas gefüllt werden, nicht der Performance wegen sondern damit sich Bläschen an der Oberfläche bilden. Im Süden Marokkos gibt es wiederum eine andere Art der Zubereitung, sodass der Tee immer wieder anders schmecken kann.
Zouin/Zouina (schön, hübsch, niedlich)
Ich arbeite für drei Monate im Projekt „Lalla Meriem“ mit Babys von etwa 0 bis 3 Jahren. Meine Aufgabe besteht hauptsächlich aus Fläschchen geben und mit einem Kind spazieren gehen. Das Lieblingswort meiner Kolleginnen lautet zouin/zouina, das den Kindern gebührt. Dementsprechend konnte ich das Wort schnell in mein Vokabular übernehmen. Kinder spielen in der marokkanischen Kultur eine besondere Rolle, oder zumindest verhält sich meine Umgebung anders gegenüber Kindern als ich es gewohnt bin. Obwohl sie meistens im Zentrum stehen – so wurde auf einer Feier meiner Gastmutter ein Baby überall herum gereicht und mit Küsschen übersät – andererseits springen die Kinder für die Mutter, wenn sie nach etwas ruft. Zum einen werden bettelnde Kinder aus den Cafés gescheucht, aber wenn eine schwangere Frau nach Essen fragt, wird ihr überall kostenlos etwas angeboten.
Culli! (Iss!)Meistens wenn die Familie zusammen isst, wird das Essen auf einem großen Teller serviert, von dem sich jeder mit Brot oder mit der Hand nimmt. Wer eine kurze Pause einlegt, wird direkt zum Weiteressen ermahnt und wer sich kein Fleisch nimmt, bekommt es in das eigene Tellergebiet geschoben. In der Familie muss man also nicht verhungern.Da ich kein eigenes Zimmer habe und ich selten Zeit für mich finde, kann ich momentan keine ausführlicheren Berichte schreiben. Vielleicht gewöhne ich mich aber bald an die Situation und ich kann genaueres von meinem Leben hier berichten.
Maasalama (Tschüss).
Rue 31, Gasse zu meinem Haus
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